• Anfrage an die Bundesregierung: Dieselloks sind für ein Fünftel des Feinstaubs im Verkehr verantwortlich

    Durch eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung hat der Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst, Generalsekretär der sächsischen Freien Demokraten, neue Informationen zum Feinstaub-Ausstoß der Dieselloks der Deutschen Bahn erlangt. Die Ergebnisse zeigen, dass allein durch den deutschen Zugverkehr etwa ein Fünftel aller Feinstaub-Emissionen verursacht werden. Hintergrund dessen sind vor allem die vielen nicht-elektrifizierten Streckenabschnitte im deutschen Schienennetz. Torsten Herbst dazu:

    „Die Antworten der Bundesregierung zeigen eine völlige Unterschätzung der realen Schadstoffemissionen von dieselbetriebenen Schienenfahrzeugen. Sie offenbaren zudem die Defizite bei der Elektrifizierung des deutschen Schienennetzes in den vergangenen Jahren. So werden heute allein durch die Deutsche Bahn AG noch immer zu rund einem Drittel Diesellokomotiven beziehungsweise Dieseltriebwagen eingesetzt – mit Motoren, die zu weiten Teilen umweltschädlicher sind als bei modernen Pkw. Weitere ältere dieselbetriebene Schienenfahrzeuge entfallen zudem auf private Eisenbahnunternehmen.

    Damit verschlechtert sich in weiten Teilen die positivere Umweltbilanz des Verkehrsträgers Schiene. Besonders deutlich wird dies im Nahverkehr: Dort sind sowohl die realen NOx- als auch die Feinstaub-Emissionen seit 2015 wieder angestiegen. Die Bundesregierung ist jetzt gefordert, die Elektrifizierung des deutschen Schienennetzes endlich konsequent voranzutreiben. Davon profitiert nicht nur die Umwelt, sondern der Wirtschaftsstandort Deutschland als Ganzes. Denn Unglücke wie beim Tunneldesaster in Rastatt beweisen, dass es im Umleitungsfall allzu oft an nahen Ausweichstrecken für strombetriebene Züge fehlt.

    Die umweltpolitische Dimension einer fehlenden Elektrifizierung wird besonders deutlich beim Vergleich der Emissionsgrenzwerte von Dieselmotoren im Straßen- bzw. im Schienenverkehr. So dürfen Bahn-Dieselmotoren der Klasse IIIA gemäß der EU-Richtlinie 2004/26/EG höchstens 0,2 g Feinstaub pro Kilowattstunde (kWh) emittieren, Motoren der Klasse IIIB 0,025 g/kWh. Zum Vergleich: Die Feinstaubemissionen der modernsten Bahndiesel-Klasse IIIB entsprechen mit 0,025 g/kWh exakt denen eines EURO 4 Dieselmotors beim Pkw. Pkw-Dieselmotoren der Klassen EURO 5 und 6 hingegen dürfen höchstens 0,0045 g/kWh emittieren, eine Reduktion im Vergleich zum EURO 4 um 82 Prozent. Damit emittieren alle 2.380 in Deutschland zugelassenen Diesel-Loks der Deutschen Bahn AG um ein Vielfaches mehr Feinstaub als Pkw mit EURO 5 und 6-Abgasnorm.

    Vor dem Hintergrund der scharfen Diskussionen um Pkw-Fahrverbote für Innenstädte erstaunt zudem das Desinteresse der Bundesregierung am Umgang mit den Messergebnissen der Luftschadstoff-Messstationen in der Nähe von Schienenwegen deutlich. So liegen der Regierung nach eigener Angabe „keine Ergebnisse zu den Feinstaub- und NOx-Emissionen an Schienen-nahen Messstellen vor.“ Dies lässt nur zwei mögliche Rückschlüsse zu: Entweder ignoriert die Bundesregierung eine wichtige Datengrundlage zur Beurteilung des realen Einflusses des Schienenverkehrs auf die Emissionen vor allem im städtischen Bereich – oder ihr liegen entsprechende Daten vor und sie verweigert eine öffentliche Debatte.”

     

     

    [yasr_visitor_votes size="medium"]