• Duligs „Eigentor in Leipzig“

    „Wird Wohnen in der Stadt bald unbezahlbar?“, fragt ein wild gestikulierender SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig derzeit auf Großflächenplakaten – unter anderem auch in Leipzig. Für das Nachrichtenmagazin FOCUS ein „Eigentor“, denn Dulig „plakatiert gegen die Sünden seiner Genossen“. In seinem „Tagebuch des Herausgebers“ (FOCUS 33/2014) schreibt Helmut Markwort dazu:

    „In Wahlkämpfen wird Politik noch gröber simplifiziert als in gewöhnlichen Auseinandersetzungen. Eine aktuelle Anwendung schlichter Parolen ist derzeit in Sachsen zu beobachten, wo am 31.August ein neuer Landtag gewählt wird. Dort wirbt Martin Dulig, der Spitzenkandidat der SPD, auf Großplakaten mit der Frage: ‚Wird Wohnen in der Stadt bald unbezahlbar?‘

    Naive Leipziger zucken angesichts der Drohung zusammen und grübeln, ob sie nun SPD oder doch lieber gleich die ganz Linken wählen sollen. Kundige Leipziger reagieren anders. Sie fragen sich, ob der Spitzenkandidat sie für vergesslich oder gar für doof hält.

    Wer länger in Leipzig wohnt, erinnert sich nämlich, dass seit 1990 ausschließlich Sozialdemokraten als Oberbürgermeister in Leipzig regiert haben. Sie heißen Lehmann-Grube, Tiefensee und Jung und waren verantwortlich für den Wohnungsbau oder – genauer – Nichtwohnungsbau. Tiefensee gehörte sogar zu den fünf Sozialdemokraten, die im Lauf der Jahre zu Bundesbauministern aufgestiegen waren.

    Besonders dreist ist, dass der Bewerber Dulig seine Anklage gegen die Genossen keine 800 Meter vom Neuen Rathaus entfernt plakatiert hat. In der Kriminologie gibt es die Erkenntnis, dass es Täter immer wieder zum Tatort zurückzieht.“