• Judith Münch: „Die Schwächsten schützen – sexualisierte Gewalt an Prostituierten ernst nehmen“

    Am heutigen Tag wird ein Antrag zum Thema „Betroffene häuslicher und sexualisierter Gewalt besser schützen – Kapazitäten im Gewaltschutz bedarfsgerecht ausbauen“ von den Regierungsfraktionen des Sächsischen Landtages beraten. Dieser verfügt über eine Vielzahl dringend notwendiger Maßnahmen und soll insbesondere eine bessere Datengrundlage zu sexualisierter Gewalt erheben. Im Antrag wird jedoch die strukturelle Quelle sexualisierter Gewalt schlechthin, die Prostitution, ausgeklammert.

    Dies ist laut Judith Münch, stellvertretende Vorsitzende der FDP Sachsen, ein bekanntes Muster: „Während die Regierung die Maßnahmen zum Schutz von Privatpersonen vor sexualisierter Gewalt begrüßenswerter Weise ernst nimmt und ausbauen möchte, werden jene, welche sich dieser täglich aussetzen, vergessen. Dem liegen noch immer verbreitete Fehlannahmen zur Prostitution zu Grunde, wie etwa die Freiwilligkeit oder Notwendigkeit dieses Gewerbes. Dabei ist bekannt, dass Prostitution einer der Haupttreiber des osteuropäischen Menschenhandels ist und Prostituierte während ihrer ‚Karrieren‘ fast immer Missbrauchsopfer werden und in Abhängigkeiten geraten, oft mit harten seelischen und physischen Konsequenzen.“

    Die begrüßenswerten Fortschritte im Schutz vor sexualisierter Gewalt sollten somit von einer ernsthaften Auseinandersetzung und Durchleuchtung der Prostitution begleitet werden, um auch hier Dunkelfelder zu verkleinern. „Viele Prostituierte sind de facto rechtlos. Eine staatliche Erhellung der dunklen Ecken der Sexindustrie ist damit notwendig, wenn der Schutz von Frauen ernst gemeint wird. Auch Maßnahmen wie das nordische Modell dürfen in der Schlussfolgerung kein Tabu sein – die sofortige Einführung von guten und umfangreichen Ausstiegsprogrammen ist unabdingbar.“