• Zastrow: „Pläne zur Reform der sächsischen Lehrpläne und Vermittlung von mehr Sozialkompetenz treffen den Nagel auf den Kopf“

    Die Sächsische Staatsministerin für Kultus, Brunhild Kurth, plant die sächsischen Lehrpläne auszudünnen, die Stundenzahl zu verringern und künftig verstärkt Sozialkompetenzen zu vermitteln. Dazu erklärt Holger Zastrow, Landesvorsitzender der sächsischen FDP und Präsidiumsmitglied der Bundespartei: „Die Pläne der Kultusministerin zur Entschlackung des Lehrstoffs, zur Vermittlung von mehr Sozialkompetenzen und der Reduktion der Stundenzahl begrüße ich ausdrücklich. Damit trifft Frau Kurth den Nagel notwendiger Reformen des sächsischen Bildungssystems auf den Kopf.

    Das bisher einseitig auf Erfolge in den Naturwissenschaften getrimmte Schulsystem hat die Vermittlung sozialer Kompetenzen in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in der immer häufiger zu Tage tretenden mangelhaften öffentlichen Debattenkultur und einer Verrohung der Sitten und des Umgangs miteinander.Auch eine Leistungsgesellschaft kann nicht allein davon leben, dass möglichst viele Menschen die Relativitätstheorie erklären können. Wir brauchen Menschen mit einer guten Allgemeinbildung, die unser Gemeinwesen durch ihre soziale Kompetenz bereichern und diese Werte dann innerhalb der Familie an ihre Kinder weiter geben.

    Die Lehrpläne unvoreingenommen auf den Prüfstand zu stellen, mit dem Ziel diese zu entschlacken, ist dafür genau der richtige Ansatz. Man darf nicht den Fehler machen, ein hohes Leistungsniveau auf eine hohe Quantität reduzieren. Letztlich ist die Qualität des vermittelten Stoffes eine genauso entscheidende Größe.

    Darüber hinaus brauchen unsere Kinder wieder mehr Zeit zur Entfaltung ihrer persönlichen Interessen und Hobbys, beispielsweise durch den Besuch von Arbeitsgemeinschaften oder Sportvereinen. Kreativität und die Suche nach Talenten braucht genügend Raum, um sich ausprobieren zu können. Zudem können nicht alle Werte und Inhalte in der Schule vermittelt werden. Die Schule ist nur ein Ort zum Lernen. Die wichtigsten Bezugspersonen und Vorbilder für Kinder sind deren Eltern. Wenn jedoch die Eltern kaum noch die Möglichkeit haben, Zeit mit ihren im Dauerleistungsstress stehenden Kindern zu verbringen, bleibt das Familienleben und letztlich die Vermittlung sozialer Kompetenzen und Werte innerhalb der Familie zwangsläufig auf der Strecke.

    Zu Zeiten der CDU/FDP-Vorgängerregierung habe ich mich dazu sehr häufig mit Frau Kurth ausgetauscht und in ihr stets eine Verbündete im Geiste gefunden. Ich hoffe, dass sie die Kraft findet, ihr Vorhaben auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen durchzusetzen. Für Sachsen wäre es jedenfalls ein richtiger und wichtiger Schritt.“